100 Jahre Frauenwahlrecht, ein Leserbrief von Manfred Albers, zur Beilage des Diepholzer Kreisblattes vom 19.01.2019

 

Wer die vierseitige Beilage der Kreiszeitung zu 100 Jahre Frauenwahlrecht ließt, um zu erfahren, wie sich dieser gesellschaftspolitische Prozess historisch entwickelte, wird ziemlich in die Irre geführt. Wer die erste Seite betrachtet, muss fasst den Eindruck gewinnen, die Grünen hätten das Frauenwahlrecht erkämpft. Auf vier Sonderseiten zum Frauenwahlrecht wird die Rolle der SPD in diesem Prozess nicht hinreichend und der historischen Wirklichkeit entsprechend beleuchtet.

 

Wie war es im November 1918? Der Krieg war verloren. „Der Kaiser hat abgedankt,“ erklärte Phillip Scheidemann (SPD) als er vom Balkon des Reichstags die Republik ausrief. Deutschlands erste Demokratie entstand. Und die Sozialdemokratie übernahm erstmals Regierungsver-antwortung.

 

Der Rat der Volksbeauftragten war die vom 10. November 1918 bis zum 13. Februar 1919 amtierende provisorische Revolutionsregierung, die den Übergang von der Monarchie zur Demokratie gestaltete. Im Zuge der  Novemberrevolution wurde er von Sozialdemokraten gebildet - drei Mitglieder der Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) und drei Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD).  

Nur drei Tage nach Übernahme der Amtsgeschäfte durch Friedrich Ebert (MSPD) beschließt der Rat der Volksbeauftragten, am 12. November 1918 das aktive und passive Wahlrecht für Frauen – so wie es seit rund dreißig Jahren schon im Programm der SPD gestanden hat. Am 19. Januar 1919 ist es so weit: Die Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung finden statt, und 78 Prozent aller erstmalig wahlberechtigten Frauen nutzen ihr neues Recht und beteiligen sich durch Stimmabgabe.

In der SPD sind seit Langem schon viele Frauen aktiv. Sie zählt mehr als 200 000 weibliche Mitglieder. Eines der grundlegenden Manifeste der Frauenemanzipation hat August Bebel geschrieben: "Die Frau und der Sozialismus". Ein Bestseller.

Als erste Frau überhaupt ergreift Marie Juchacz, Mitglied des Parteivorstands der SPD, in einem deutschen Parlament das Wort. In der Deutschen Nationalversammlung in Weimar hält sie am 19. Februar 1919 eine historische Rede.

 

 

 


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